Als eines der größten Erdölexportländer der Welt hat Libyen nun auch die Existenz nachwachsender Energieträger für sich entdeckt. Ziel ist es, den Anteil dieser Quellen an der Gesamtenergieproduktion in der nahen Zukunft auf bis zu 10 % zu steigern, um eine deutliche Kostensenkung der staatlichen Energieproduktion zu erreichen. Libyens Politiker machen deutlich, dass das Land in diesem Zusammenhang notwendiges wissenschaftliches Know-How akquirieren und zukünftige Ingenieure durch interne Schulungen für den Windenergiesektor ausbilden will.
Im Jahr 2002 begann das staatliche Erdölunternehmen GECOL (General Electric Company of Libya) mit der Suche nach Experten, die die Gesellschaft bei der Entwicklung des Windenergiepotentials unterstützen und beim Aufbau eines ersten Windparks mitwirken sollten. Neben dem wirtschaftlichen Aspekt der Energieproduktion sollten gleichzeitig libysche Ingenieure vor-Ort in die Belange und Zusammenhänge der Windparkplanung wissenschaftlich eingeführt werden.
Das Deutsch/Dänische Konsortium, bestehend aus dem Unternehmen CUBE Engineering GmbH, der Universität Kassel (GHK), dem Institut für Solare Energieerzeugung (ISET) und dem Software-Entwickler Energi- og Miljødata (EMD) bot GECOL dank seiner grundlegenden Erfahrung ein überzeugendes Angebot und wurde im Februar 2001 mit dem Beginn der Arbeiten beauftragt.
Als einer der genannten Partner ist das Gutachterbüro CUBE Engineering GmbH als Hauptakteur für die Bereiche Projektmanagement, Standortfindung, Ermittlung von Windressourcen, Gutachtenerstellung, Ausschreibungen und Vertragsverhandlungen sowie in der Schlussphase für die Auswahl und Errichtung der Windenergieanlagen federführend. Das Unternehmen, ein seit Beginn der 90er Jahre existierendes und DAP akkreditiertes Gutachterbüro, zeichnet sich durch seine langjährige internationale Erfahrung im Bereich der Windenergie aus. Mit seinen Firmensitzen in Kassel und Husum (Deutschland) und den mittlerweile eröffneten Zweigstellen im europäischen Ausland in Edinburgh und Paris, bietet das Büro unabhängige und wissenschaftlich fundierte Expertisen und folgt internationalen Richtlinien und Standards.
Der Technologietransfer im Bereich der Windenergie von Deutschland und Dänemark in die Volksrepublik Libyen spielt innerhalb des Projekts eine zentrale Rolle. So werden technische und ökonomische Aspekte vermittelt und gleichzeitig aufgezeigt, ob die angewendeten Schulungsmethoden greifen. Dabei sollen Antworten auf zwei wichtige Fragen gefunden werden:
Das Konsortium arbeitete mit einer Kombination von praktischer Anwendung und Wissenstransfer. Für die Entwicklung und Errichtung einer 25 MW Pilot-Windfarm wurden insgesamt vier Phasen definiert, die die Ausweisung potentieller Standorte bezüglich ihrer Eignung, die Installation von Windmess-Einrichtungen bis hin zur Errichtung der Windenergieanlagen beinhalteten. Begleitet wurden alle Phasen von wissenschaftlichen Trainingprogrammen, u. a. mit drei zwölftägigen Kursen, Software-Schulungen und einem Praktikum der libyschen Ingenieure bei den europäischen Partnern.
Hauptziel in Phase I war die Auswahl mehrerer Gebiete, die das Windpotential für den Betrieb eines 25 MW Pilot-Windparks aufweisen und daraus folgend die Identifizierung eines konkreten Standortes.
Dabei wurden zu Beginn alle Schritte unternommen, um alle für die technische und ökonomische Durchführung eines solchen Projektes notwendigen Basisdaten zu sammeln. In einer Entscheidungsmatrix wurden sämtliche Kriterien aufgelistet und ein Standortfavorit herauskristallisiert. Diese Matrix und das daraus resultierende Ergebnis stellten einen Kernpunkt des Projektes dar, da alle weiteren Schritte darauf aufbauten. An einer Vielzahl von Standorten wurden meteorologische Windmessmasten errichtet, um so die Windbedingungen über einen Messzeitraum von 12 Monaten zu ermitteln. Phase I endete mit der Analyse der Messdaten und der anschließenden Modellrechnung, die zur Bestimmung des Standortes mit den besten Windressourcen führte.<+/p>
Inhalt von Phase II war die Festlegung der technischen Spezifikationen für alle Komponenten eines Pilot-Windparks Windenergieanlagen, Zuwegung, Dimensionierung der Netzanschlüsse usw. Dabei mussten auch lokale Gegebenheiten wie z. B. die Verfügbarkeit bestimmter Materialien und klimatische Bedingungen (hohe Temperaturen, Einfluss durch Sandstürme) berücksichtig werden. Gegen Ende von Phase II wurde die Ausschreibung für die komplette Lieferung und die schlüsselfertige Errichtung des 25 MW Windparks vorbereitet.
Während dieser Projektphase wurden die eingereichten Angebote für die Anlagen, Bau- und Elektroingenieurtätigkeiten geprüft und Empfehlungen basierend auf den in Phase II definierten Spezifikationen ausgesprochen. Durch diese im vornherein festgelegten Kriterien wurde ein rascher Entscheidungsprozess garantiert. Dies war unter dem Kostenaspekt für Windenergieanlagen und der benötigten zusätzlichen Fabrikationsgüter, die zwischen 70 und 90 % der Gesamtkosten eines Windparkprojektes ausmachen, von entscheidender Bedeutung.
Die Phase besteht aus der Errichtung, Inbetriebnahme und dem Controlling des Windparks.
Die örtlichen Transportwege werden aufgrund der in Phase II festgestellten Ergebnisse optimiert. Lagerhaltung, Sicherheit und Versicherungsabschlüsse werden während der Aufbauphase in einem Aktionsplan festgelegt. Dieser ist die Grundvoraussetzung für einen reibungslosen Ablauf, indem bereits vor dem Baustart alle evtl. anfallenden Arbeiten aufgeführt sind.
Abhängig von den Resultaten der in Phase II durchgeführten Netzstudie könnte während dieser Phase ein Ausbau des elektrische Stromnetzes und seiner Nebenstellen erforderlich werden.
Workshops und Praktika spielen während sämtlicher Stationen von Phase IV eine wichtige Rolle. Die ständige Qualitätskontrolle während der Konstruktionsarbeiten und strikte Einhaltung der Zeitpläne garantieren den reibungslosen Fortgang der Aufbauarbeiten. Alle Trainees werden soweit wie möglich in diesen Prozess eingebunden. Nach der Inbetriebnahme des Windparks durchlaufen die örtlichen Ingenieure intensive Praktika, die alle Aspekte für Betrieb, Überwachung und Anlagenwartung beinhalten. Ein sorgfältig vorbereitetes und detailliertes Schulungsprogramm stellt sicher, dass die pädagogischen Aspekte nicht vernachlässigt werden und dass die zukünftigen libyschen Fachingenieure die best mögliche Anleitung erhalten.
Das Projekt befindet sich zurzeit zwischen den Phasen III und IV und durchläuft den Auswahlprozess von Herstellern und Subunternehmen für die Installation der Anlagen. Als konkreter Konstruktionstermin ist Herbst 2006 avisiert, die Inbetriebnahme der ersten Anlagen könnte somit im Frühjahr 2007 erfolgen. Außerdem wird eine weitere Schulung der Ingenieure stattfinden.
Um die zukünftige Entwicklung der Windenergie vorhersagen zu können, hat GECOL die modellhafte Erstellung eines libyschen Windatlasses auf Basis weltweiter Klimadaten und der im eigenen Land mittlerweile vorhandenen Ergebnisse der Windmessungen beauftragt. CUBE Engineering GmbH wurde mit der Erstellung einer 2stufigen Vorhersage betraut einem etwas weiteren Raster für das gesamte Landesgebiet (8 x 8 km) und eine feinere Auflösung von 200 x 200 m, das speziell die windbegünstigten Küstenregionen untersuchen wird.
Laut Aussage eines Geschäftsführers der CUBE Engineering GmbH, Herrn Stefan Chun, ist die Kooperation und Teilnahme an diesem langfristigen Projekt eine große Erfahrung für beide Seiten sowohl für die staatliche libysche Erdölgesellschaft als auch für die teilnehmenden Partner des deutsch/dänischen Konsortiums. Der Wissens- und Technologietransfer in die neuen Märkte bietet eine nicht zu vernachlässigende Chance, um für diese ein wertvoller Partner zu sein jetzt und für zukünftige Projekte.
CUBE Engineering:
www.cube-engineering.com
GECOL, Libya:
http://www.gecol.ly/
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